Wenn es mir schlecht geht fühle ich mich manchmal wie ein Hund im Meer. Ein sehr kleiner, in einem sehr großen Meer, der strampelt und strampelt. Er kann schon schwimmen, das hat er mal gelernt, aber es ist kein Land in Sicht. Wer von uns würde den Mut nicht verlieren, wenn er im offenen Gewässer treibt und kein Land in Sicht ist?

Dann tauchen die Inseln auf. Magisch, wie aus dem Nichts. Auf denen kann man sich etwas ausruhen. Aber nie zu lange, denn so wie sie auftauchen,verschwinden sie auch wieder.

Diese Inseln sind für den Hund: ein Gedanke an einen Knochen, oder ein Tagtraum davon richtig gekuschelt zu werden, oder einen Korken in 1000 Kleinteile zu zerlegen (Die Hündin meines Bruders hat da so einen kleinen Fetisch). Bei mir wäre es: Musik, ein neues inspirierendes Selbsttfindungsbuch, eine Meditationssession, ein Ritual, Freunde sehen, tanzen gehen, singen, etc. Alles das tut richtig gut. Weil man kurz aufatmen kann und sich von dem ganzen gestrampel erholen.

Brene Brown redet in ihrem Ted Talk davon, dass wir alle nach unseren Gendern sozialisiert werden. Das führt dazu, dass weiblich sozialisierte Wesen sich oft die Insel: Bestätigung von aussen, zum Beispiel durch Aufmerksamkeit von Männern suchen. Männlich sozialisierte dagegen suchen sich oft die Insel: Karriere und Erfolg. (Sie selbst redet in dem Talk von Verletzlichkeit und dem weiblichen Schambild: Bodyimage und dem männlichen Schambild: Schwäche; aus dieser Scham, bzw der Angst vor diesen Gefühlen, schlagen wir in die Gegenrichtung, die oben genanten Inseln) 

Aber sobald man sich etwas erholt hat auf diesen Inseln, versinken sie schon wieder und wir fühlen das Wasserniveau steigen.Wie lange geht das so weiter? Wann kommt Land in Sicht?

Land ist immer in Sicht. Wir schauen nur in die Falsche Richtung. Wir schauen uns um (nach anderen Menschen, Events, Erfahrungen; Bestätigung von aussen etc.) aber das sind nur Zeitinseln. Wir schauen nach oben, flehen zu Gott, dem Universum, oder der Wissenschaft. Aber auch da ist kein Land in Sicht.

Wo denn dann verdammt noch mal?

Unter uns.

Jedes Meer hat einen Grund. Und wenn das Wasser klar ist, sieht man den auch. Dann würde es nicht so Angst machen. Ebenso, je tiefer desto mehr Angst macht es.  Aber egal wie tief, schmutzig, schlammig und wild, irgendwann kommt immer Boden.

Jetzt sagst du bestimmt: aber dann ertrink ich ja, oder mir Platz der Kopf von dem Druck da unten. Joa, wenn wir gerade von einem echten Meer reden würden, hättest du Recht. Aber wenn du das gerade nicht auf offener See liest während du am schwimmen bist und in der einen Hand einen Laptop hochhältst, dann nein, wirst du nicht ertrinken. Unser Hirn denkt das aber tatsächlich.

Es sind aber nur unbewusste, verdrängte Gefühle.

Daher, gib die Inseln auf. Hör auf zu strampeln. Geh unter. Erreich den Boden. Keine Angst, wir können unter Wasser atmen, wenn wir keine Panik machen. Und noch besser: Da, am Meeresgrund liegt unser Schatz vergraben. Ein Schatz, dessen Schatzkarten wir überall sehen und erahnen. Jesus hat eine gemalt.. Buddha eine andere, Louise Hay, David Hawkins und viele weitere große Seelen noch weitere. Alle fangen wo anders an, alle führen über andere Wege, aber alle zeigen zum gleichen Ziel: Zum Meeresgrund in uns.

In Liebe, Danylo