Vor der Schauspielschule habe ich nie gesungen. „Sowas machen Jungs nicht“. Als ich in der ersten Gesangsstunde dann aufstehen musste und vor der Klasse singen sollte, bin ich fast gestorben. Noch schlimmer war der erste Monologabend, wo wir alle ohne Begleitung ein Lied, ganz alleine, vor der gesamten Schule (inklusive aller Lehrer) singen mussten.

Ich hatte so eine Angst davor, dass ich Schauspiel fast geschmissen hätte und nach Neuseeland auswandern wollte. Meine beste Freundin meinte damals ganz einfach: „ Sing doch dein Lieblingslied, dann hast du wenigstens ein bisschen Spaß.“ Hm, dachte ich, klingt gar nicht so blöd. Also hab ich „Let it go“ aus Frozen gesungen. Das war das erste, was ich jemals auf der Bühne aufgeführt habe. Spaß hatte ich jetzt so nicht, aber ich habs überlebt. Und das war mehr als mein dramatisches Hirn damals erwartet hätte.

Ich bin ein großer Disney Fan. Mein inneres Kind freut sich, lacht, heult und fiebert mit wenn Elsa , Vayana und die anderen ihre Abenteuer erleben. Nicht zuletzt wegen der Musik,treffen mich diese Filme oft tief im Herzen. Einer der krassesten und spirituellsten Momente, die ich je in einem Film empfunden habe, war in Frozen 2 (Dt: „Die Eiskönigin“).

Elsa hört den ganzen Film über eine innere Stimme (sie hört sie zwar äußerlich, aber nur sie, daher behaupte ich mal ganz frech es ist ihre innere Stimme) und beschließt der Sache auf den Grund zu gehen und die Wahrheit zu finden. Nach einer langen Reise, auf der sie die letzten Hürden alleine meistern muss, sehr symbolisch für den Weg den wir alle am Ende alleine gehen müssen, kommt sie an. Sie spürt die Wahrheit, den Durchbruch ganz nah und singt: „Show yourself, it's your turn. Are you the one I've been waiting for all my life?“

Wie sehr ich mich mit dieser Suche identifizieren kann würdet ihr nur merken, an den Tränen die mir da schon übers Gesicht liefen. Die Suche nach einer Antwort auf die Frage: Warum bin ich so anders? Warum bin ich so wie ich bin? Versteht mich irgendjemand da draußen? Krieg ich von irgendwo Hilfe?

Nach einem Wirbelwind aus Eis und Emotionen springt Elsa in den Abgrund. In den tiefsten Schatten ihres Unterbewusstsein (wieder: ich interpretiere hier den Scheiß aus dem ganzen, vielleicht viel zu viel, aber wenn man aus Kafka so was lesen kann, dann sicher auch aus Frozen. Vielleicht wird das ja auch mal Kernthema im Deutsch Abi) Dann endlich. Am absoluten Abgrund, dort, wovor sie alle gewarnt haben : „Geh nicht zu tief rein“, genau da findet sie ihre Antwort und sie singt:

I am found. Show yourself. Step into your power. Throw yourself into something new. You are the one you've been waiting for.“ (Die Zeile singt sie zu sich selbst) Dieser Wechsel von „ Are you the one I've been waiting for“ zu „You are the one you've been waiting for:“ bringt die ihre ganze Reise über beide Filme auf den Punkt. Unser aller Reise des Lebens sogar. Die Suche geht solange, bis wir in unseren Abgrund springen. Bis wir den Mut haben loszulassen und uns ins Dunkle fallen zu lassen. Mit Dunkel meine ich übrigens die unterdrückten Emotionen und das Unterbewusstsein, nicht den dark room im Berghain.

Wo ich dann nicht mehr ganz mitgehe bei dem Film: direkt nach der Erkenntnis friert sie ein und ist vermeintlich erstmals tot. Auch wenn Sie dann durch die Taten ihrer Schwester wieder auftaut würde ich sagen, lässt sich spirituell was anderes erwarten. In dem Moment wo einem Bewusst wird, dass man alles in sich trägt: alle Antworten, alle Liebe, fängt man an zu leben. Natürlich fühlt sich das wie einen Tod sterben an und ein Stück weit lässt man sein altes Ich zurück, aber dadurch wird man lebendig wie nie zu vor. Und alleine durchs loslassen (nicht durch die Taten der Schwester) Aber hey, man muss ja auch unterschiedliche Meinungen haben und ein Stück weit beruhigt mich auch dass Disney nicht perfekt ist. Sonst wäre Ihre Weltherrschaft gar nicht mehr aufzuhalten.

Und die Moral von der Geschicht'?

Ignorier deine innere Stimme nicht.

Spring in den Abgrund deines Schatten hinein,

was kann dort schlimmeres sein, als dieser Reim.

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