Wen siehst du wenn du in den Spiegel schaust?

Einen Freund ? Einen Feind? Würdest du gerne mit dir selbst rummachen? Oder würdest du lieber gleich eine Schönheits Op machen? Wie lange hältst du es aus bist du durchdrehst?

Bei mir hat das beim ersten Mal vielleicht drei Sekunden gedauert.

Es war zu viel. Zu viel Kritik, zu viel Schmerz und Trauer der mit da entegegen blickte. Zu viel einsamkeit als dass ich es hätte aushalten können.

Als Schauspieler habe ich mich daran gewöhnt mich selbst zu sehen. Ich habe mich schon hunderte Male angeschaut und auch da war es anfangs schwer, aber irgendwann fand ich es sogar richtig geil. Ich weiß, sehr selten, ein narzistischer Schauspieler. Normalerweise tun es doch alle nur wegen der Kunst und nicht wegen der Aufmerksamkeit. Der Unterschied zum Spiegel war : 1. Ich konnte mich hinter einer Rolle verstecken, 2. die Verletzlichkeit und gebrochenheit konnte ich hier als Kunst, bzw Leistung ansehen.Ich habe immer die dramatischsten Rollen gesucht, weil ganz ehrlich, wer will einen Film sehen in denen es allen 90 Minuten lang gut geht?

Vor dem Spiegel ging das nicht mehr. Da hab ich nur mich gesehn. Danylo. 28 Jahre alt. Einsam. Verletzt, Verlassen, Verloren. Für den inneren Kritiker war das wie Weihnachten... die Nase ist zu breit. Deine Augenringe machen dich alt. Boah stell dir vor die Haare fallen aus wie bei deinem Vater. Meine Augen sind schön.... immerhin. Aber so traurig irgendwie. Oh Gott...Das kann doch nicht gut sein ? Sich darin zu wühlen, damit zu konfrontieren?

Es ging weiter: Deine Haare sehen scheiße aus. Du könntest mal wieder in die Sonne. Boah du siehst so verlassen aus. Ich würd dich gerne in den Arm nehmen!

Oh.... da kam was neues. Empathie mit mir selbst? Geht das? Ist das erlaubt ? Ist das Bipolar? Ist das Narzistisch? Egal... Narzist bin ich ja eh... lass mal weiter gehen auf dem Weg.Ich würd dich gerne in den Arm nehmen, du siehst so traurig aus. Innerlich hab ich das dann gemacht und plötzlich hat sich ein Gefühl von Wärme und Geborgenheit in meiner Brust ausgebreitet. Das war ein Schlag für mich. Ich konnte mir selbst einen Funken davon geben, was ich mir von der Welt gewünscht hätte. Nur durch Mitgefühl?

Ich war so geschockt, dass es mich rausgerissen hat und ich erstmal Justin Bieber angemacht hab umd klarzukommen.

Am nächsten Tag bin ich wieder vor den Spiegel. Wollte das wieder erleben. Hat natürlich nicht funktioniert. Weil ich es erzwingen wollte. Dann hab ich mich an eine der wervollsten Lektionen im Schauspiel erinnert. Emotionen kannst du nicht erzwingen. Nur einladen zu kommen. Das hat dann geklappt irgendwie.

Seitdem bin ich fast jeden Tag vor dem Spiegel und treffe mich selbst. So wie ich gerade bin an dem Tag. Ganz ohne Rolle. Und langsm, über die Zeit, habe ich festgestellt, wie ich mich darauf freue vor den Spiegel zu gehen. Mich zu sehen. Langsam fand ich die Person in dem Spiegel immer toller. Immer schöner. Immer faszinierender.

So begann der Funke der Sebstliebe sich in mir zu regen.

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